Unterrichtskonzept zum Studium Hauptfach Gesang an der Akademie für Tonkunst, Darmstadt  

                                                                               Klasse Petra Lang

 

Ich selbst habe an der Akademie für Tonkunst, Darmstadt mein Rüstzeug für meine nun aktuell dreißig Jahre währende aktive internationale Karriere als Opern- und Konzertsängerin erlernt. Von den Anfängen als 2. Bauernmädchen an der Bayerischen Staatsoper, München mit zwei erfolgreichen Fachwechseln bis hin zur Isolde der Bayreuther Festspiele, habe ich ein weit gespanntes und breit gefächertes Konzert- und Opern-Repertoire gesungen. In Darmstadt konnte ich mich in Ruhe und ohne Druck entwickeln und  so den Grundstein legen, im harten Berufsalltag zu reagieren, für mich die richtigen Entscheidungen zu treffen und mich vor allen Dingen über die Jahre zu entwickeln, so dass ich meine erfolgreiche Berufslaufbahn immer im Rahmen meiner Möglichkeiten weiter ausüben konnte.


Ich freue mich, ab September 2019, nun dort, wo ich selbst studiert habe, jungen Sängern Wege in den schönen aber auch harten Sängerberuf zu zeigen, das nötige Wissen zu vermitteln und vor allen Dingen die Freude am Singen, Spielen und an der Verwandlung  erfahrbar zu machen.


An der Akademie für Tonkunst findet der Unterricht angepasst an die hessischen Schulferien 39 Wochen im Jahr statt. Bachelor-Studenten erhalten 1,5 Wochenstunden Hauptfach-Unterricht (im Künstlerischen Aufbaustudium bis zu 2 Wochenstunden).

Das sind im Jahr offiziell 58,5 (bis zu 78) Wochenstunden Hauptfach-Gesangsunterricht. 


Ein Instrumentalist ist oft schon ein Meister seines Fachs, wenn er ein Musikstudium beginnt. Das ist bei Sängern häufig anders, da man in der Regel erst nach dem vollendeten Stimmbruch mit dem systematischen Gesangsunterricht beginnt. D.h. der junge Sängerstudent muss in sehr viel kürzerer Zeit seine Fähigkeiten erlernen, die ihm ermöglichen, in den Sängerberuf als Solist oder Chorsänger „zu kommen“. In der Berufsausübung beginnt dann die eigentliche Entwicklungsarbeit eines jeden Sängers. Hier lernt er, seine Ressourcen anzuwenden und diese ein Sängerleben lang weiterzuentwickeln. Wir Sänger haben nun einmal unser Instrument im Körper und dieser ist Veränderungen unterworfen,  denen man achtsam und verantwortungsbewusst  Rechnung tragen sollte.


Hierzu ist es nötig, praktisches Wissen zu erwerben, Struktur in "seinen Sängeralltag" zu bringen und diese möglichst rasch im Rahmen der eigenen Möglichkeiten anwenden zu können. Im Opern- und Konzertbetrieb ist man schnell „zu alt“, deshalb gilt auch heute noch Elisabeth Schwarzkopfs Aussage, dass man als Sänger schnell Dinge stabil herzustellen lernen sollte.

Früher ging man z.B. in Italien einige Jahre zu seinem Maestro, um die technischen Grundlagen des Singens für sich zu finden und sicher in seinem Körper zu verankern. Ich selbst habe im Laufe meiner Karriere immer wieder vom Block-Unterricht profitiert. Meist habe ich im Sommer 10 – 14 Tage bei Ingrid Bjoner in Oslo verbracht, wo wir im Schnitt 4 Stunden gesungen haben und zusätzlich über Interpretation und praktische Fragen des Singens gesprochen haben. Wenn es über das Jahr Fragen gab, wurden diese oft am Telefon geklärt.


Ich werde meinen Hauptfach-Unterricht an der Akademie für Tonkunst, Darmstadt so gestalten, dass jeder Student auf eine möglichst hohe Anzahl an Technik-, Interpretations- und Gesangs-Theorie-Stunden kommt. Hierzu nehme ich ca. 7-10 Einzelstunden pro Student und wandle sie in Klassenstunden um. So erhält man bei z.B. 6 Studenten 42-60 Klassenstunden und der Student erhält über das Jahr zwischen 105 und 123  Hauptfach-Gesangs-Stunden. 

In den Klassenstunden können Themen bearbeitet werden, die man gut im Plenum erlernen kann und wo man sich auch durch Zuhören viele Anregungen für das eigenen Singen erwerben kann. So kann man in den Einzelstunden wirklich individuell, konzentriert und fokussiert auf bestimmte Fragen, Probleme oder Punkte, die im Moment einfach in der Ausbildung jedes einzelnen Sängers anstehen, eingehen.

 

Im Bachelor Studiengang kann und soll es hier noch um technische, sängerische Grundlagen gehen.  Im künstlerischen Aufbaustudium sollte die Freude an der Interpretation und am eigenen Singen im Vordergrund stehen. Jedoch immer verbunden mit dem individuellen Blick auf die technische Umsetzung, die Garant sein kann für eine stabile sängerische Leistung. –  Alles ausgerichtet auf das Ziel, den Sängerberuf als Solist oder als Chorsänger, aktiv ausüben zu können.



Im Rahmen des Bachelor-Studiengangs/Künstlerischen Aufbau-Studiums im Hauptfach Gesang möchte ich folgendes ganzheitlich angelegte Unterrichtskonzept im Rahmen meines eigenen Hauptfach-Unterrichts anwenden:

Es ist mein Ziel, die Gesangsstudenten umfassend auf die Anforderungen des Berufs als Sänger/in in den Bereichen Solo oder Chor vorzubereiten und sie zu Selbstständigkeit anzuleiten. 

Dazu zählen für mich, neben einer soliden, individuell angepassten technischen Basis, der musikalischen Umsetzung in der Praxis und einer Sicherheit in der Präsentation auch folgende Punkte:

·  umfassendes Wissen über die eigenen sängerischen Möglichkeiten

· genaue Kenntnis des Repertoires des eigenen Stimmfaches und Überblick über die angrenzenden Stimmfächer

· Kenntnis der Entwicklungsgeschichte des Gesangs, Kennen wichtiger Sängerpersönlichkeiten und vor allen Dingen Erlernen von objektiven Kriterien zur Beurteilung von Gesangs-Leistungen anhand von analytischem Hören von Aufnahmen

· „Canto Teatrale“ (d.h. Singen im Theater) und Singen für das Mikrofon – was ist hier zu beachten?  Welches sind die Unterschiede und wie sehen die entsprechenden Vorgehensweisen aus? Singen für das Medium TV oder DVD

·   Strategien in der Berufsarbeit:

  • Wie erarbeite ich mir Partien in puncto Technik, Interpretation, Darstellung?
  • Wann kann ich welche Partien wo singen?
  • Zeitmanagement bei der Erarbeitung von Repertoire und bei der Planung des Kalenders.
  • Wie lerne ich richtig? Die individuelle Lernstrategie finden.
  • Wie halte ich die Stimme ermüdungsfrei und frisch?
  • Wie gehe ich mit eventuellen stimmlichen Krisen um?
  • Wie gestalte ich meinen Sängeralltag? Arbeit, Ruhe, Schlaf.
  • Der Stellenwert von Pause, Erholung und Regeneration
  • Wie erhalte ich meine Leistungsfähigkeit bei Reisen oder in „Sondersituationen“? Jetlag? Konzerte in kalten Kirchen? Lange Sitzungen bei Rundfunkproduktionen.......

         

·   Marketingstrategien:

  • Welches Bild wirkt in der Öffentlichkeit? Wie „verkaufe“ ich mich? Erstellen eines individuellen Images.  Stilberatung. Presse. Social Media. Website.
  • Erstellen einer geeigneten Repertoireliste
  • Was muss sonst noch in den Lebenslauf? Welche Zusatzqualifikationen werden eventuell benötigt?
  • Wie baue ich eine Karriere auf? Welche Partien wann, wo, wie?
  • Wie komme ich in den Beruf – Agenturen, Wettbewerbe, Vorsingen
  • Wie verhalte ich mich richtig in der „Theaterlandschaft“ und vor allen Dingen, in weit kann ich mich selbst dabei nicht verleugnen; Pflichten.
  • Worauf muss ich bei Verträgen achten? Ergänzende Infos zur reinen Rechtsberatung: Stimmfächer, Urlaube, Agenturprovisionen, gefährliche Sportarten, Unfallversicherung, Versicherung

       

·  Kenntnis und praktische Anwendung von Verfahren zur physischen und psychischen Stabilisierung, zur Erhöhung der Selbst-Wahrnehmung, zur schnellen Regeneration

· Gesundheitsprophylaxe durch Ernährung und Ernährungsstrategien im Sängerberuf; Übertragung von Prinzipien der Sporternährung für Sänger. (Warum kommt es zu Gewichts-Problemen bei Sängern im Berufsleben und wie kann man dem schon frühzeitig entgegenwirken.)

 

 

 

Der Unterricht findet zum überwiegenden Prozentsatz im individuellen Einzelunterricht statt. Darüber hinaus soll in Klassenstunden gemeinsam erarbeitet werden:

  • Atemtechnik (in Theorie und Praxis)
  • Mentaltechniken zur schnelleren Regeneration und zum leichteren Lernen, zur Förderung der Selbstwahrnehmung
  • Körper-/Gymnastikübungen, die speziell auf Sänger zugeschnitten sind
  • Arbeit an Repertoire und im Klassenverband die Chance nutzen, von- und miteinander konstruktiv lernen zu können; dies wird im späteren Berufsleben nicht mehr so möglich sein weil man als Sänger verständlicherweise als Einzelkämpfer unterwegs ist.
  • Vorsing-Training 
  • analytisches – beurteilendes Hören anhand von Tonbeispielen oder bei Opern-Konzertbesuch. Diese soll auch den Respekt vor der Leistung Anderer erhöhen und eine Haltung schaffen, in der man quasi „wertungsfrei bewertet“ und so für sich positive Anregungen finden kann und die Energie auf das eigene Tun richtet. Dies halte ich für sehr wichtig in einem Beruf, in dem man immer von der Bewertung Dritter abhängig ist.

     

Es werden „Hausaufgaben“ gestellt werden, da man verschiedene Dinge nur verinnerlichen kann, wenn man sich intensiver mit ihnen beschäftigt hat.

 



Darüber hinaus bietet die Akademie für Tonkunst, Darmstadt folgende Wahl-Pflicht Module, die speziell für die Sängerausbildung wichtig und interessant sein können:

·       Opernschule, szenischer Unterricht

·       Bewegung und Rhythmik

·       Dispokinese

·       Psychologie für Musiker

·       Medienpraxis

·       Musik und Recht

·       Musikwirtschaft

Ich selbst werde zum Wintersemester ein Seminar „Klangentspannung für Musiker“ anbieten.


Es werden keine Studiengebühren erhoben.


Abschlüsse: Bachelor of Music, Bachelor of Arts, Künstlerische Reifeprüfung

 

 

Es besteht die Möglichkeit einen „Joint Bachelor“ zu erwerben und zusätzlich zum Musikstudium,  ein 2. Hauptfach an der Technischen Universität, Darmstadt zu studieren.

(Philosophie, Germanistik,  Digital Philology, Informatik, Geschichte, Soziologie, Politikwissenschaft, Sportwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften)

http://www.akademie-fuer-tonkunst.de/aftd_ba_germ/page13/page19/page16/index.html

 

Des Weiteren ist es möglich, offene Seminare an der TU, Darmstadt  und an der Pädagogischen Akademie Elisabethenstift, zu besuchen.

http://www.akademie-fuer-tonkunst.de/aftd_ba_germ/page13/page160/index.html